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Orthodoxie

Autokephale Kirchen

In der Orthodoxen Kirche wird unterschieden zwischen autokephalen Kirchen, die rechtlich und geistlich vollständig selbständig sind und ihr eigenes Oberhaupt wählen und oft noch für weitere Kirchen zuständig sind und autonomen Kirchen, die bezüglich interner Angelegenheiten bis zu 
einem gewissen Grad selbständig sind, aber in mancher Hinsicht von einer autokephalen Kirche abhängen. 

Eine autokephale Kirche kann, je nach Grösse und historischer Bedeutung, den Titel Patriarchat, Erzbistum oder Metropolie tragen und wird entsprechend von einem Patriarchen, Erzbischof oder Metropoliten geleitet. 

An der Spitze einer autonomen Kirche steht ein Erzbischof. 

Die zahlreichen orthodoxen Kirchen im deutschen Sprachraum sind z.B. jeweils der heimatlichen autokephalen Kirche oder dem ökumenischen Patriarchat unterstellt. 

In der Orthodoxen Kirche sind alle Bischöfe rechtlich und geistlich gleichgestellt – ein Patriarch, Metropolit oder Erzbischof hat gegenüber einem Bischof keine höhere Autorität und keine Jurisdiktion im Gebiet eines anderen Bischofs, steht den Bischöfen seines Gebiets aber als “primus inter pares” (erster unter gleichen) vor und vertritt die Kirche nach außen. 

Für eine ganze Kirche bindende Entschlüsse können aber nur von der Gemeinschaft der Bischöfe an einem Konzil oder einer Synode getroffen werden. 

Innerhalb seines Gebiets hat jeder Bischof die geistliche Jurisdiktion. 

 
Diakonisch

Dienend

Eucharistie

Eucharistie, auch (Heiliges) Abendmahl oder Herrenmahl, gehört zusammen mit der Taufe zu denjenigen Sakramenten, die in so gut wie allen christlichen Kirchen im Gebrauch sind. Wörtlich bedeutet das griechische Wort Danksagung. 

Fastenzeit

Für unsere orthodoxen Mitchristen hat die Fastenzeit begonnen, mit der sie sich auf das Osterfest vorbereiten. Im Lauf der Zeit werden immer mehr Gläubige sich diesem Fasten anschliessen, bis schliesslich in der Karwoche der größte Teil von ihnen sich an diese uralten Regeln hält. Doch was bedeutet dieses Fasten eigentlich?

Schon lange haben Menschen gerade im Frühling aus gesundheitlichen Gründen das Fasten wieder für sich entdeckt. Aber als vor mehr als zwanzig Jahren die Nordelbische Kirche zum ersten Mal aufrief zu “Sieben Wochen ohne”, waren alle erstaunt, welch ein Echo dieser Aufruf auslöste, und seither hat in der Zeit vor Ostern diese Aktion ihren selbstverständlichen Ort: Sieben Wochen Verzicht – worauf, entscheidet dann jeder selbst, je nach dem, wovon man womöglich droht, abhängig zu werden: Alkohol, Zigaretten, aber auch Fernsehen, Internet, Süssigkeiten, Disco- oder Kneipenbesuche. “Sieben Wochen ohne”, um innere Freiheit zurückzugewinnen, um Zeit zu gewinnen, Zeit für das eigene Woher und Wohin, Zeit für die Mitmenschen.

“Sieben Wochen ohne” können auch dazu dienen, die leise Stimme Gottes im Lärm unseres Alltags wieder zu vernehmen, weil wir versuchen, wieder leiser zu leben, und damit sind wir schon beim religiösen Sinn des Fastens. Wir besinnen uns darauf, was ein Mensch wirklich braucht, um glücklich zu sein, und wenn wir auf vieles verzichten, was sonst unseren Alltag füllt, kann es sein, dass wir allmählich zurückfinden zu der Erfahrung, dass wir vor allem Gott brauchen als Gegenüber, als Vater und Mutter, als Freundin oder Freund. 

Wer in diesen Wochen sein Essen einschränkt und hineingeht in den Hunger, der wird jenseits dieses Hungers nach einiger Zeit vielleicht eine ganz neue Sensibilität entdecken für eine Begegnung mit Gott, eine tiefere Erkenntnis des eigenen Weges und eine grössere Offenheit für die Mitmenschen. Das sind dann Erfahrungen, die man nicht einfach “inszenieren” kann, sondern die geschenkt werden, vielleicht gerade dann, wenn man selbst gar nicht damit gerechnet hat.

Wenn orthodoxe Christen in dieser Zeit auf alles Fleisch verzichten, das irgendwie blutet, dann ist dabei gewiss nicht daran gedacht, dass Shrimps und Tintenfisch und Hummer eine viel grössere Delikatesse sein können, sondern daran, dass nach uralter Überzeugung das Blut der Sitz des Lebens ist. Und über das Leben darf der Mensch nicht verfügen. 

Nach der Schöpfungsordnung sollte der Mensch von Pflanzen und Früchten leben; erst nach der Sintflut werden den Menschen auch die Tiere als Nahrung gegeben, die von da ab die Menschen fürchten. Aber vom Blut sollte man sich fern halten (vgl. 1.Mose 1,29 und 9,2-4). Wir Menschen sollen immer wieder daran denken, dass wir nicht Herren des Lebens sind, auch nicht des Lebens von Tieren. Hinter allem Leben steht Gott, der das Leben schuf.

Mögen solche Zusammenhänge auch weithin vergessen sein, so erinnert der Vollzug des Fastens doch immer wieder daran. Es ist gut, dass das Fasten uns die Grenzen unserer Verfügungsgewalt über das Leben vor Augen führt.

Grossherzige Freude über den Sieg des Lebens

Jedes Jahr wird in der orthodoxen Osternachtsliturgie überall in der Welt die folgende Predigt des Kirchenvaters Johannes Chrysostomos (+407) vorgelesen. Aus dieser Predigt lässt sich ein wenig herausspüren, welche Freude über die Auferstehung in den Herzen orthodoxer Gläubiger lebt.

Wer fromm ist und Gott liebt, erfreue sich an dieser schönen und glanzvollen Feier. Wenn jemand ein wohlgesinnter Knecht ist, gehe er fröhlich ein in die Freude seines Herrn. Wer sich beim Fasten bemüht hat, empfange jetzt seinen versprochenen Dinar. Wer von der ersten Stunde an gearbeitet hat, empfange heute den gerechten Lohn. Wer zur dritten Stunde gekommen ist, soll dankbar feiern. Wer erst zur sechsten Stunde zu arbeiten begann, verzage nicht, denn er wird nichts einbüssen. Wer bis zur neunten Stunde säumte, der trete unbesorgt herzu und ohne Furcht. Wenn jemand erst zur elften Stunde kam – er ängstige sich nicht ob seiner Saumseligkeit. 

Denn freigiebig ist der Herr des Weinbergs, den Letzten nimmt er an wie den Ersten. Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist, ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat. Dem Letzten erweist er sich gnädig, dem Ersten zeigt er sich freundlich. Jenem gibt er, diesem schenkt er. Die Arbeit nimmt er an und der gute Wille ist ihm lieb. Die Tat ehrt er, die Absicht lobt er. Also gehet alle ein in die Freude des Herrn!

Ihr Ersten und ihr Letzten, empfanget den Lohn! Ihr Armen und ihr Reichen, jubelt miteinander! Ihr Ausdauernden und ihr Saumseligen, ehret diesen Tag! Die ihr gefastet habt und die ihr nicht gefastet habt, freut euch heute! Der Tisch ist reichlich gedeckt, geniesset alle. Das Kalb ist geschlachtet, niemand gehe hungrig hinaus. Labt euch alle am Gastmahl des Glaubens. 

Freut euch alle am Reichtum seiner Güte. Niemand klage über seine Armseligkeit, denn erschienen ist das Reich, das allen offen steht. Niemand lasse sich lähmen durch seine Verfehlungen, denn Vergebung ist aufgestrahlt aus dem Grab. Niemand fürchte den Tod, denn des Erlösers Tod hat uns befreit. 

Er, der vom Tod umfangen ward, hat ihn vernichtet. Er, der zur Unterwelt hinabkam, hat ihr die Beute entrissen. Bitterkeit ließ er erfahren den Tod, der ihn verschlingen wollte. Dies sah Jesaja voraus, als er ausrief: “Der Tod ward voller Bitterkeit, als er dir dort unten begegnete”. Voller Bitterkeit ward der Tod, denn er ward überwunden. Voller Bitterkeit ward er, denn er ward gefesselt. Einen Menschenleib nahm er, doch an Gott geriet er. Erde nahm er, auf den Himmel traf er! Er nahm, was er sah, und kam zu Fall durch das, was er nicht sah. Auferstanden ist Christus, und niedergeworfen, Tod, bist du! Auferstanden ist Christus, und gefallen sind die Dämonen.

Auferstanden ist Christus, und es freuen sich die Engel! Auferstanden ist Christus, und das Leben herrscht! Auferstanden ist Christus, und von den Toten ist keiner mehr im Grabe. Denn Christus ist von den Toten auferstanden als Erstling der Entschlafenen. Ihm sei die Ehre und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! 

Wie schön, wenn man sich von dieser Freude anstecken lassen kann!

Feste und Kalender

Das Hauptfest der Orthodoxie ist das Osterfest, welches in der orthodoxen Kultur eine ähnlich zentrale Stellung hat wie Weihnachten im Westen. 

Das Osterfest wird in allen orthodoxen Kirchen 
(mit Ausnahme der Finnischen Kirche) nach dem 
Julianischen Kalender berechnet und kann daher eine, 
vier, oder fünf Wochen nach dem westlichen Ostern sein. 

Das Kirchenjahr der Orthodoxie beginnt am 1. September; an diesem Tag begann im Byzantinischen Reich auch die neue Indiktion, was etwa dem heutigen fiskalischen Jahr entspricht. 

An zweiter Stelle nach dem Osterfest stehen die untereinander gleichrangigen so genannten 

“Zwölf Feste”

08.September
Geburt der Gottesgebärerin (entspr. Mariä Geburt) 8. Sept. 

14.September
Kreuzerhöhung, gewidmet der Verehrung des 
Kreuzes Christi 

21.November
Darstellung der Gottesgebärerin im Tempel 

25.Dezember
Weihnachten 

06.Januar 
Taufe Christi oder Theophanie 
(entspr. Epiphanias oder Dreikönigstag) 

02. Februar
Begegnung Christi (Luk. 2,22-39) (entspr. Mariä Lichtmess) 

25.März
Verkündigung der Geburt Christi 
(Luk. 1,26-38) (enstpr. Mariä Verkündigung) 

Einzug Christi in Jerusalem (entspr. Palmsonntag) 
Himmelfahrt Christi 
Pfingsten 

06.August 
Verklärung Christi (Matth. 17, 1-13) 

15.August
Entschlafung der Gottesgebärerin 
(entspr. Mariä Himmelfahrt, allerdings ist die eigentliche Himmelfahrt kein Dogma in der orthodoxen Kirche) 

Während die beweglichen Feste (wie z.B. Ostern und Pfingsten) in allen Orthodoxen Kirchen nach dem von Julius Caesar eingeführten Julianischen Kalender gefeiert werden, hat ein Teil der Kirchen in den 20er Jahren des 20ten Jahrhunderts für die festliegenden Feste (wie z.B. Weinachten und Taufe Christi) den so genannten Neo-Julianischen Kalender eingeführt, der bis zum Jahr 2700 dem westlichen Gregorianischen Kalender entsprechen wird. 

Andere Kirchen halten jedoch auch für diese Feste am Julianischen Kalender fest, so dass. z.B. Weihnachten in Griechenland am 25. Dezember, in Russland jedoch erst an unserem 6. Januar (dem “alten” 25. Dezember) gefeiert wird. 

 

Gemeinschaft der Gesamtorthodoxie

Gemeinschaft der Gesamtorthodoxie in geltender Rangordnung folgender autokephalen (eigene Verwaltung) Kirchen:

01. das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel

02. das Patriarchat von Alexandrien

03. das Patriarchat von Antiochien

04. das Patriarchat von Jerusalem

05. das Patriarchat von Moskau und ganz Russland

06. das Patriarchat von Serbien

07. das Patriarchat von Rumänien

08. das Patriarchat von Bulgarien

09. das Patriarchat von Georgien

10. das Patriarchat von Zypern

11. das Patriarchat von Griechenland

12. das Patriarchat von Polen

13. das Patriarchat von Albanien

14. das Patriarchat von Tschechien und der Slowakei sowie der autonomen Kirche

15. das Patriarchat von Finnland

16. das Patriarchat von Estland

 

Gibt es mehrere orthodoxe Kirchen ?

Nein, alle orthodoxe Christen habe denselben Glauben, dieselbe Liturgie, ökumenisches Glaubensbekenntnis aus dem zweiten ökumenischen Konzil von Konstantinopel (381)

“… ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolischen Kirche…”

Gleiche Wertschätzung für Männer und Frauen

Welche Bedeutung haben die Frauen in der orthodoxen Kirche? Der griechisch-orthodoxe Theologe Grigorios Larentzakis schreibt: “Ohne das Mitwirken der Frauen in der Kirche, unabhängig von Funktionen und konkreten Leistungen, wäre unsere Kirche viel ärmer, sie könnte gar nicht existieren. Es handelt sich hier nicht um ein blosses Lippenbekenntnis, sondern um eine Realität, wofür wir den Frauen dankbar sein müssen.”         

Wer sich sonntags in einer orthodoxen Kirche umsieht, wird das sofort glauben: Wie in anderen christlichen Kirchen sind auch in der orthodoxen Kirche die meisten Gottesdienstbesucher weiblich. Werden sie auch entsprechend geschätzt? Frauen und Männer “sind gleichwertige Glieder des Leibes Christi, Kinder Gottes und Erben seiner Verheissungen, berufen zur harmonischen Zusammenarbeit für den Bau und das Wachstum der Kirche – des Leibes Christi – , und für die Verwirklichung ihres Heilswirkens in der Welt”, denn beide gehören durch die Taufe dem ‘königlichen Priestertum’ an”.

So lesen wir beim angesehenen griechisch-orthodoxen Dogmatiker Johannes Karmiris. Er bekräftigt, dass Frauen Theologie studieren, Religionsunterricht erteilen und auch als Professorinnen Theologie lehren dürfen. Sie dürfen im Gottesdienst Lesungen vortragen, singen, ja selbst predigen. Sie können mitarbeiten in der Diakonie und in der Leitung der Gemeinde, und sie können Bischöfe bei Synoden beraten.

Freilich wird dieser theologisch mögliche Rahmen nur selten ausgeschöpft: ich selber habe noch nie in einer orthodoxen Kirche eine Frau predigen hören. Singend habe ich vor allem Nonnen erlebt. Eine orthodoxe Theologieprofessorin ist mir noch nie begegnet. Sicher ist allerdings, dass in Nordamerika, wo orthodoxe Auswanderer orthodoxe Kirchen haben entstehen lassen, die Entwicklung schon weiter fortgeschritten ist. 

Aber kann eine Frau auch zur Priesterin geweiht werden? Die orthodoxe Kirche, die sich stets an der Tradition der Alten Kirche orientiert, bestreitet nicht, dass es in der frühen Kirche jedenfalls Diakoninnen gab. Diese waren unabdingbar notwendig für die Taufe von Frauen, da es für Priester als unschicklich betrachtet worden wäre, Frauen von Kopf bis Fuss mit heiligem Öl zu salben. 

Umstritten ist freilich, ob dieses Amt der Diakonin genauso wie das Amt des Diakons als ein “Weiheamt” verstanden wurde, durch das dann die Diakonin ebenso in den Klerus aufgenommen worden wäre wie ein männlicher Diakon.

Die Frage nach der Priesterweihe für Frauen hat sich für lange Zeit in der orthodoxen Kirche überhaupt nicht gestellt, und wenn in immer mehr westlichen Kirchen Frauen ordinieren, ja sogar zu Bischöfinnen ernannt werden, so galt dies dem orthodoxen Klerus eigentlich bisher nur als ein Beweis dafür, wie weit doch diese westlichen Kirchen, nur um “modern” zu sein, die alten Traditionen der Christenheit über Bord geworfen haben. Aber eine Konsultation zwischen der orthodoxen und der altkatholischen Kirche im Jahre 1996 hat Bewegung in dieses Thema gebracht. 

Priesterinnen? – Nur “im Prinzip”

Die Konsultation zwischen der orthodoxen und der altkatholischen Kirche im Jahr 1996 widmete sich auch dem Thema “Priesterweihe für Frauen”. Dabei wählte man als Ausgangspunkt nicht die Frage, wie weit die Kirchen sich dem Wunsch von Frauen nach Gleichberechtigung öffnen müsse (was in der Orthodoxie sofort eine ablehnende Haltung auslöst), sondern man ging aus von dogmatischen Prinzipien der Alten Kirche. Diese Gedankengänge möchte ich wenigstens in ihren Grundzügen ein wenig erläutern:

In der alten Kirche war es selbstverständlich, in “Adam”, dem Geschöpf Gottes, den Menschen überhaupt zu sehen, nicht nur in seiner männlichen Ausprägung. Der Mensch ist Gottes Ebenbild, nicht etwa nur der Mann. Ebenso ist Jesus Christus, um uns zu erlösen, nicht etwa nur Mann, sondern “Mensch” geworden: Er hat nicht nur die männliche, sondern auch die weibliche Natur angenommen, denn sonst wäre seine menschliche Natur unvollkommen, was dem Konzil von Chalcedon (451) widerspräche. 

Da nun nach orthodoxem Verständnis der Priester bzw. der Bischof Christus repräsentiert, kann das Geschlecht dieses Repräsentanten keine Rolle spielen, denn der Priester soll ja ganz ausdrücklich nicht nur das Mannsein Christi, sondern sein Mensch sein überhaupt repräsentieren. So wie Adam und Christus die ganze Menschheit repräsentieren, so tun es auch Eva und Maria. Marias “Heilsfunktion” ist für Orthodoxe Gläubige genauso gültig für Männer wie für Frauen.

Diese Überlegungen führen trotzdem nicht dazu, dass die Orthodoxe Kirche nun etwa doch in Erwägung zieht, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Der blosse Umstand, dass viele Jahrhunderte lang solches nicht geschah, hat für die Orthodoxie ein eigenes Gewicht. 

Aber diese Erkenntnisse ermöglicht immerhin eine andere Einschätzung jener Kirchen, die inzwischen zur Ordination von Frauen übergegangen sind, nämlich die, “dass die Ordination von Frauen die Gemeinschaft und Einheit der Kirche oder die Wiederherstellung der zerbrochenen Einheit und Gemeinschaft nicht fundamental zerstören oder in Frage stellen sollte, obschon Einschränkungen in der Praxis durch die nicht voll gewährleistete Austauschbarkeit von Geistlichen gegeben sind”. So steht es im Abschlussdokument der erwähnten Konsultation, u.a. von dem orthodoxen Theologen Prof. Anastasios Kallis unterzeichnet.

Erste Konsequenzen aus diesen Einsichten hat das ehemals griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochien (heute rum-orthodox genannt) gezogen. Dort wurde im Mai 1997 durch die Synode eine Erklärung verabschiedet, die altes kirchliches Unrecht gegenüber Frauen wiedergutmachen soll. Darin heißt es: “Alles, was besagen kann, dass die Frau mit Unreinheit behaftet sei, oder dass die Ehe unrein und nicht heilig sei, wird abgeschafft.” Alle Gebete und liturgischen Texte sollen auf frauenfeindliche und diskriminierende Aussagen hin untersucht und entsprechend umformuliert werden.

Als sichtbares Zeichen dafür dürfen in der rum-orthodoxen Kirche Frauen den Altarraum betreten, Mädchen dürfen Ministrantinnen werden. Mit dieser Synodenentscheidung ändert sich natürlich eine uralte kirchliche Praxis nicht mit einem Schlag. Aber Frauen haben das Wort einer Synode auf ihrer Seite, wenn sie sich dagegen wehren, als Christen zweiter Klasse betrachtet zu werden, als unfähig, das Priesteramt auszuüben.

 

HEILIGER GEORGIOS

Der Heiliger Georgios wurde im 4 Jahrhundert in Kappadokien (Kleinasien) von christlichen Eltern geboren. Sein Vater erlitt für Jesus das Martyrium. Wegen seiner zahlreichen Talente, wurde der junge Georgios Offizier der römischen Armee. In dieser Zeit begann Kaiser Diokletian die größten Verfolgungen gegen die Christen. Georgios hatte seinen Glauben zum Jesus trotzdem mutig bekannt. Der Kaiser versuchte mit Versprechen für eine große Karriere, Georgios umzustimmen.

Georgios wollte aber Christus treu bleiben und gehorchte dem Kaiser nicht. Da liess Diokletian ein Riesenrad bauen und setzte Georgios darauf. Als sich das Rad drehte, kamen Messer und schnitten den Leib von Georgios auf. Nachts im Kerker aber heilte Jesus wieder. 

Der Kaiser zwang Georgios, eiserne Schuhe mit Nägeln innendrin zu tragen und viele Runden im Stadion zu laufen. Alle Leute verspotteten und fragten ihn: “Wo ist dein Gott, der dir helfen würde? Er hat dich im Stich gelassen!” 

Jesus aber hat wieder Georgios von den eisernen Schuhen befreit und geheilt. Danach befahl der Kaiser Georgios in einem grossem Topf mit heißem Wasser und Kalk zu werfen. Das heisse Wasser aber schwappte auf die Soldaten. Am Ende schlug Diokletian selbst mit dem Schwert den Kopf von Georgios ab. 

Georgios bekam vom Christus den Kranz des Sieges über die Welt und wurde von ihm im Himmel empfangen, von dem aus er uns bis heute hilft und viele Wunder wirkt.

Wir feiern den Hl.Georgios immer im Frühling, wenn die Natur ihre eigene Auferstehung erlebt, weil er im Frühling seines Lebens, wegen des Glaubens am auferstandenen Christus und an seiner eigenen Auferstehung, alles, was den heutigen Menschen beeindruckt (Karriere, Geld, Schönheit), verlassen hat. Deswegen wird nicht nur sein Gedächtnis, sondern auch seine lebendige Anwesenheit ewig bleiben.

 

Ikonen

Ikonen sind nach speziellen Traditionen gemalte Bilder von Christus sowie von Maria mit Kind und anderen Heiligen. Die orthodoxe Kirche sieht die lebenden Christen und die verstorbenen Christen, insbesondere die Heiligen, als eine einzige spirituelle Gemeinschaft, insbesondere bei der Anbetung Gottes. 
Ikonen sind für die orthodoxe Kirche Fenster in die geistliche Welt – daher auch der meistens goldene Hintergrund, die Zweidimensionalität und die nicht naturalistische Malweise. In der orthodoxen Kirche gibt es die Ikonostase, eine mit Ikonen geschmückte Wand mit drei Türen zwischen Gläubigen und Altar. 
In der Mitte hängt (vom Betrachter aus) rechts eine Christus-Ikone, links eine Ikone der Gottesgebärerin (d.h. Maria) mit Kind, dazwischen ist die königliche Türe, durch die der Priester im Evangelienbuch und in der Eucharistie den König der Ehren zur Gemeinde bringt. 

Während der Eucharistie ist diese Tür offen und der Altar somit sichtbar. Wenn der Priester nicht das Evangelium oder den Kelch der Eucharistie trägt, oder wenn eine andere Person den Altarraum betritt, wird eine der beiden äusseren Türen benutzt. 

Ikonen werden verehrt, indem man sich vor ihnen bekreuzigt und sie küsst. 
Diese Verehrung wird dabei strikt unterschieden von Anbetung, die nur Gott zukommt. 

Auch die Verehrung bezieht sich nach orthodoxer Lehre auf den Dargestellten, nicht auf die Ikone selbst als einen Gegenstand aus Holz und Farbe. 

 

Kanonische Kirchen

Die orthodoxen Kirchen unterscheiden zwischen kanonischen und nichtkanonischen Kirchen. Kanonische Kirchen sind autokephale und autonome Kirchen, die in voller Kommunion mit dem ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel stehen. 

Nichtkanonische Kirchen haben sich irgendwann aus theologischen oder politischen Gründen von der Kommunion mit dem ökumenischen Patriarchat oder einer kanonischen Kirche getrennt. 

Für die kanonischen orthodoxen Kirchen stehen nur die kanonischen orthodoxen Kirchen in der vollen apostolischen Nachfolge und daher sind nur ihre Sakramente im vollsten Sinn gültig. 

 

Katechumenen      

Die Unterwiesenen, die auf ihre Aufnahme warten. Früher gab es separaten Raum /Vorhalle in der Kirche (Narthex).

Kirche    

Der orthodoxen Kirche gehören fast 98 % der Griechen an. Die Kirche hat eine sehr gewichtige Stellung im Staat.

Im Jahr 1054 hat sich die orthodoxe Kirche von der katholischen Kirche abgespaltet und es gibt auch heute noch dogmatische Differenzen zwischen diesen beiden Kirchen. In den Kirchen geht es nicht so streng zu – es wird ständig geflüstert, Verwandten, Bekannten und Freunden wird zugewinkt und es wird sich begrüsst, Männer stehen auf und gehen raus, um mal schnell eine Zigarette zu rauchen und Kinder müssen auch nicht den ganzen Gottesdienst über still sitzen. 

Es ist ein stetes Kommen und Gehen. Der Umgang der Griechen mit ihrer Kirche ist auffallend unverkrampft. In der orthodoxen Kirche sind die Riten, der Gesang und die Verehrung der Heiligen, die auf den Ikonen dargestellt sind, das Wichtigste.

Der Pope (oder Papas genannt) ist besonders im dörflichen Bereich auch ausserhalb der Gottesdienste fast immer gegenwärtig und man sieht ihn nicht selten im Kafenion sitzen. Er nimmt an dem Geschehen im Dorf rege teil. Nach einer Hochzeit oder Taufe sitzt er meist stundenlang mit den Gästen zusammen und trinkt und feiert ordentlich mit.

Die Popen haben fast immer lange Haare, die dann hinten zu einem Knoten zusammengebunden sind und einen gewaltigen Vollbart. Dazu tragen sie meist eine schwarze Kutte und eine schwarze Kopfbedeckung, die sie nur in den eigenen vier Wänden oder bei der körperlichen Arbeit ablegen dürfen (viele Popen haben Felder mit Wein oder Olivenbäumen, die sie dann auch selbst bewirtschaften).

Es gibt auch sehr viele Popen die verheiratet sind, denn vor der Weihe zum Priester darf ein Pope heiraten (nur Bischöfe, Mönche und Nonnen haben sich dem Zölibat verschrieben).

 
Kreuzerhöhung

Kreuzerhöhung ist der Name des 14. September im katholischen und orthodoxen liturgischen Kalender. 

Der Ursprung dieses Festes verbindet sich nach dem Zeugnis christlicher Schriftsteller des 4. Jahrhunderts mit der Wiederauffindung des Kreuzes Christi durch Kaiserin Helena im Jahre ca. 325 und dem daher rührenden Brauch, Kreuzreliquien und Kreuzdarstellungen dem Volk zur Verehrung zu zeigen (sie zu “erhöhen” = hoch zu halten), wie es bis heute in der katholischen Karfreitagsliturgie geschieht. 

Kaiser Konstantin liess an dem Ort der Grabesauffindung eine grosse Kirche errichten, welche 335 eingeweiht wurde. 
Man stellte das Heilige Kreuz darin feierlich zur Verehrung aus : Die Weihe dieser heiligen Kirche wird mit grösstem Aufwand gefeiert, weil am selben Tage das Kreuz des Herrn gefunden wurde ( Reisebericht der Nonne Aetheria vom 
Jahre 383 ). So wurde das Fest der Kreuzerhöhung nach der heiligen Woche zum wichtigen Kirchenfest in Jerusalem. 

Im Jahre 614 fielen die Truppen des Perserkönigs Chosrau II. in Jerusalem ein. Das Kreuzholz in einem silbernen Kreuzreliquar – zwei andere Teile hatte Helena im Jahre 325 nach Rom und Konstantinopel gebracht – wurde mit Bischof Zacharias in die Königsstadt Ktesiphon in der Nähe des heutigen Bagdad verschleppt. 

Das heilige Kreuz wurde aber wenige Jahre darauf durch den Sieg des byzantinischen Kaisers Heraklius über die Perser zurückgewonnen. Am 14. September 629 zog der Kaiser mit glänzendem Gefolge nach Jerusalem, um dort die hochverehrte Reliquie wieder in die Grabeskirche hinter dem Golgotahügel zu bringen. 

Zum Andenken an dieses Ereignis feiert die Kirche am 14. September das Fest der “Erhöhung des heiligen Kreuzes”: 

Der Kaiser war bekleidet mit einem golddurchwirkten Ornat, trug auf dem Kopf die Krone Ostroms, und in den Händen hielt er einen silbernen, gold- und edelsteingeschmückten Schrein, die Reliquie des Heiligen Kreuzes. 

Doch vor dem Stadttor stoppte plötzlich der feierliche Zug. Irgendetwas hielt den Kaiser auf, vielleicht ein tiefer, innerer Zweifel, und er sagte zu Zacharias: So hat der Heiland sein Holz nicht auf den Berg getragen! Heraklius stieg von seinem Ross, legte sein Prunkgewand und all seinen Schmuck ab und zog selbst die Schuhe aus. 

Sein ganzer Hofstaat folgte seinem Beispiel. Barfuss und nur mit weissem Linnen bekleidet durchschritt der Kaiser das Tor und trug das Kreuzholz in die heilige Stadt, in die wieder-aufgebaute Martyrionskirche. Dort wurde es feierlich in weihrauchhaltiger Luft ausgestel

Kreuzzeichen und der Kuss auf die Ikone

Sie haben es gewiss schon oft erlebt: Wenn orthodoxe Christen eine Kirche betreten, dann zünden sie zuerst eine Kerze an. Diese Kerze sagt: Ich bin da in diesem heiligen Raum, ich mit all meinen Sehnsüchten und Lasten, mit meiner Erdenschwere und meiner Hoffnung auf Gottes Erbarmen, und auch mit meinen Fürbitten für so viele Menschen, die ich liebe. Dann bekreuzigen sie sich: Sie stellen sich selber mit ihrem ganzen Leben unter das Kreuz Jesu Christi.

So wie sie bei der Taufe zum ersten Mal unter den Schutz des Kreuzes gestellt wurden, so tun sie es nun selbst ihr Leben lang. Und dann gehen sie zu einer Ikone oder auch zu mehreren und küssen sie. Das mag für uns auf den ersten Blick befremdlich sein. Wie kann man ein Bild küssen? Aber für orthodoxe Christen ist eine Ikone kein “Bild”: Eine Ikone ist geheimnisvolle Gegenwart dessen, was darauf gemalt ist. Wenn ich eine Marien-Ikone küsse, dann küsse ich auf geheimnisvolle Weise Maria selbst.

Viele Menschen haben ein Vorbild, einen Menschen, von dem sie gelernt haben, was im Leben wirklich wichtig ist und wie zu leben sich lohnt. Manche haben berühmte Vorbilder, Albert Schweitzer oder Martin Luther King oder Mutter Theresa; manche haben in ihrem persönlichen Lebensumfeld ein Vorbild entdeckt: die Grossmutter, einen Nachbarn, jemanden aus längst vergangener Zeit, den kaum jemand kennt. Stellen Sie sich vor, es gäbe einen Raum, in dem sie diesem Menschen gegenübertreten, ihm begegnen könnten. Würden Sie nicht auf ihn zugehen, ihn umarmen, Ihre Liebe und Ehrfurcht ausdrücken, und, wenn es denn erlaubt ist, ihn küssen?

In der Ikone ist für einen orthodoxen Christen gegenwärtig, was gemalt ist, und darum ist Ikonenmalen ein heiliges Geschehen, und der Künstler ist mehr ein Mystiker denn ein Maler. Die Ikonostase, die in jeder orthodoxen Kirche zu finden ist, ist keine Trennwand, die zwischen den Gläubigen und dem Abendmahlstisch steht, sondern geheimnisvolle Gegenwart des Himmels: Christus selbst und Maria, alle Engel, die Apostel, die Namenspatrone der Kirche, ja, alle die uns im Glauben vorangegangen sind, sie sind nahe in den Ikonen und nicht nur im frommen Gedenken der Gläubigen, sie lassen sich gar berühren, küssen. 

Einen Augenblick lang bin ich an der Schwelle des Paradieses, bin ich da, wo Himmel und Erde sich berühren. Und ich kann auch meine Bitten, mein Leid an die Schwelle des Himmels bringen, ganz nah an die ewige Barmherzigkeit. 

“Verleihe, o Herr, dass die Ohren, die deinen Lobpreis gehört haben,
verschlossen seien für die Stimme des Streites und Unfriedens,
dass die Augen, die deine grosse Liebe gesehen haben,
auch deine selige Hoffnung schauen,
dass die Zungen, die dein Lob gesungen haben, hinfort die Wahrheit bezeugen,
dass die Füsse, die in deinen Vorhöfen gestanden sind,
hinfort gehen auf den Wegen des Lichts
und dass die Leiber, die an deinem lebendigen Leib Anteil gehabt haben,
hinfort in einem neuen Leben wandeln.”

(Aus einem alten orthodoxen Gebet am Ende der Liturgie)

Liturgie

Der Mittelpunkt der orthodoxen Spiritualität ist die reiche, hauptsächlich gesungene Liturgie voller Symbolik, deren heutige Form teilweise bis ins vierte Jahrhundert zurückgeht. 

Die Form des ersten Teils der Liturgie, die so genannte Liturgie der Katechumenen mit Gebeten und Bibellesungen, geht auf den jüdischen Synagogengottesdienst zurück, wie er zur Zeit Jesu üblich war, während der zweite Teil, die Liturgie der Gläubigen mit der Eucharistiefeier, rein christlichen Ursprungs ist. 

Die Namen beziehen sich darauf, dass früher alle noch nicht getauften Glaubensanwärter nach dem ersten Teil die Kirche verlassen mussten und die Türen verriegelt wurden. 

Die ursprüngliche Liturgie dauerte fünf Stunden, die Basilius-Liturgie dauert etwa zweieinhalb, die Chrysostomos-Liturgie etwa eineinhalb Stunden. 

An den meisten Sonntagen wird die Chrysostomos-Liturgie gefeiert, an hohen Feiertagen die Basilius-Liturgie. 

Mit Orthros (Matutin) und weiteren Gebeten ist der Gottesdienst auch an normalen Sonntagen reichlich drei Stunden lang – wobei nicht alle von Anfang bis Ende dabei sind. 

Typisch ist der häufige Anruf Kyrie eleison (Herr, erbarme dich). 

Besonderen Stellenwert in russisch-orthodoxen Liturgie haben die Gesänge. Sie werden als Gebete verstanden und sollen deshalb nur von menschlichen Stimmen “produziert” werden. 

Der Gebrauch von Instrumenten ist demzufolge in russisch-orthodoxen Kirchen nicht gestattet, weil Instrumente nicht beten können. 

Auch in anderen orthodoxen Kirchen ist Instrumentalmusik unüblich. Eine andere Theorie für diese Abneigung gegen Instrumentalmusik geht auf die bei den römischen Zirkusspielen üblichen Orchester zurück; die Christen betrachteten die Zirkusspiele, in denen sie teilweise selbst die Opfer waren, als Götzenkult. 

Jedoch haben diese Anschauungen historisch variiert. 
Die erste Orgel im heutigen Sinne wurde z.B. im Spätmittelalter in der Hagia Sophia von Konstantinopel installiert; beim Fall der Stadt wurde sie zerstört.

In der orthodoxen Liturgie bekreuzigt man sich jedes Mal, wenn die Trinität erwähnt wird, wenn das Kreuz oder eine Ikone verehrt wird, beim Segen, und bei unzähligen weiteren Gelegenheiten, die aber nicht genau geregelt sind und von verschieden Gläubigen recht unterschiedlich gehandhabt werden. 

Man bekreuzigt sich mit recht ausladender Bewegung und von rechts nach links ( Stirn, Brust, rechte Schulter, linke Schulter ), umgekehrt wie in der katholischen Kirche. 

Beim Bekreuzigen werden Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger zusammengehalten (drei Finger – Trinität), während Ringfinger und kleiner Finger an der Handfläche (zwei Finger – die zwei Naturen Christi, in die Handfläche – kommen herab zur Erde). 

Gebetet wird prinzipiell stehend, auch in den Gottesdiensten wird meistens gestanden; viele Kirchen haben nur Bestuhlung entlang den Wänden für Alte und Schwache. 

Knien ist in der sonntäglichen Liturgie nicht üblich; an anderen Wochentagen gibt es in manchen Kirchen Niederwerfungen. 

 
Nonnen und Mönche

Die Orthodoxe Kirche ist nicht denkbar ohne ihre Klöster. Zwar gibt es in der Zahl der Mönche und Nonnen große Schwankungen, wellenförmig zumeist, aber auch bei geringer Zahl bleiben die Klöster so etwas wie Orientierungspunkte für das Geistliche Leben der Gläubigen. Selbst wer wenig vom Klosterleben weiss, spürt doch oft, dass Klöster ganz besondere Orte sind, Orte der Stille, die einladen, die etwas ausstrahlen und Kraft geben. 

Schon in der frühen Christenheit gab es einzelne Gläubige und kleine Gruppen, die sich in die Wüste oder ähnlich unwirtliche Orte zurückzogen, um ganz dem Gebet und der Busse zu leben. Bald zeigte sich die Notwendigkeit einer gemeinsamen Regel, die das Zusammenleben ordnete: Die Regel des hl. Basilios von Caesarea ist bis auf den heutigen Tag die Grundordnung des orthodoxen Klosterlebens.

“Betet ohne Unterlass”, schrieb einst der Apostel Paulus an die Thessalonicher (1.Thess. 5,17). Doch wie soll das möglich sein, wenn wir Menschen in unserem Alltag durch so viele Pflichten in Anspruch genommen werden?

 Schon seit alter Zeit wird in den Klöstern das “Herzensgebet” oder “Jesusgebet” geübt: “Herr Jesus, Sohn Gottes, erbarme dich über mich Sünder!” Dieser eine Satz wird wieder und wieder gesprochen, er verbindet sich allmählich mit Herzschlag und Atem, und bleibt auch dann im Menschen gegenwärtig, dessen Hände Kartoffeln schälen oder den Fußboden scheuern. Das in Taizé immer wieder gesungene Gebet: “O Christe, Domine Jesus”, “O Christus, Herr Jesus”, ist eine noch kürzere Form dieses Herzensgebetes, das viele junge Menschen dort in sich aufnehmen. Klöster können zu Schulen des Gebetes werden für suchende Menschen.

Orthodoxe Gläubige bitten Mönche und Nonnen um Fürbitte: nicht etwa, weil sie meinen, das Gebet eines einfachen Christen sei weniger Wert als das Gebet von Ordensleuten. Es tut einfach gut zu wissen, dass ein großer Chor von Betern, ein Anliegen mitträgt. Das macht es vielleicht auch leichter, es hinzunehmen, dass Gott die Bitten erhört gemäss Seinem und nicht unserem Willen.

Klöster sind Orte der Seelsorge: Menschen suchen das Gespräch mit Mönchen und Nonnen und erleben, dass diese gar nicht so weltfremd sind, gerade weil sich ihnen so viele Menschen mit ihren Fragen und Sorgen anvertrauen. Manchmal kann das ein ganz spontanes Gespräch sein, in der Kirche, auf dem Hof, selbst im Klosterladen. Darüber hinaus aber kommen Menschen ausdrücklich ins Kloster mit der Bitte um seelsorgliche Begleitung: Sie erwarten, dort einen Menschen zu treffen, der sich Zeit für sie nimmt, der Erfahrung hat und Weisung geben kann.

Der Mönchsvater Basilios empfiehlt den Mönchen und Klosterschwestern ein gemeinsames Leben: Demut, Geduld und Rücksichtnahme aufeinander werden so Tag für Tag geübt. Jeder Bruder, jede Schwester soll alle Regungen seines, ihres Herzens seinem geistlichen Begleiter offen legen und um Weisung und Korrektur bitten. Erst diese beständige Begleitung des eigenen Weges befähigt Brüder und Schwestern, anderen seelsorgliche Begleitung anzubieten. Manchmal entsteht auf diese Weise eine tiefe, langjährige Beziehung.

Auch als Beichtväter werden Mönche sehr geschätzt: Es ist leichter, sich gegenüber einem Priester im Kloster ganz zu öffnen als gegenüber dem eigenen Pfarrer, den man tagtäglich auf der Strasse trifft. Der Sinn des mönchischen Lebens, schreibt der heilige Basilios, bestehe darin, den Willen Gottes zu verwirklichen. Dem Abt soll jeder demütig gehorchen, der Abt hingegen soll auf nichts anderes aus sein, als seinen Brüdern zu dienen. “Wir haben uns ein und dasselbe Ziel gesetzt, und zwar der Frömmigkeit gemäß zu leben. Wir haben uns hier im Namen unseres Herrn Christus versammelt: ihr, um manches über die Erlösung zu lernen; ich, um Tag und Nacht die Gebote des Herrn zu predigen” (so der hl. Basilios in der Vorrede zu den Grossen Regeln).

 

Orthodox

Orthodox (von griechisch ορθος, richtig oder geradlinig, und δοξα, Lehre oder Verehrung – also richtige Lehre oder richtige Verehrung [Gottes]) nennen sich die christlichen Kirchen, die im früheren griechischen Kulturraum entstanden oder von dorther gegründet worden sind. 

Deshalb spricht man auch von der griechischen Kirche im Gegensatz zur lateinischen (römisch-katholischen). 

Auch der Begriff Ostkirchen ist gebräuchlich aber ungenau, weil hier auch im östlichen Mittelmeerraum beheimatete Kirchen eingeschlossen sind, die sich theologisch von der griechischen Orthodoxie unterscheiden (vor allem die monophysitischen Kirchen und die Assyrische Kirche des Ostens). 

Es handelt sich um eine Gruppe von Kirchen, die in Kirchenverständnis, Lehre und Kultus weitgehend übereinstimmen und ein starkes Zusammengehörig-keitsgefühl haben; sie betrachten sich als Teile einer 
einzigen Kirche, ähnlich wie zum Beispiel die verschiedenen lutherischen Landeskirchen in Deutschland. 
Bibel und Liturgie ist in der jeweiligen Landessprache 
(oder einer älteren Form derselben). 

Die orthodoxen Kirchen sind nach der katholischen Kirche weltweit gesehen die zweitgrösste christliche Konfession, etwa dreimal größer als die grössten evangelischen Konfessionen. Begriffe wie griechisch-orthodox oder russisch-orthodox sollten nach Meinung einiger Autoren für die Konfession nicht verwendet werden, man sagt ja auch nicht rheinisch-evangelisch oder nordelbisch-evangelisch. 

Diese Argumentation verkennt jedoch, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen orthodoxen Landeskirchen sowohl organisatorisch als auch im Ritus wesentlich grösser sind als zwischen den evangelischen Landeskirchen in Europa. 

Orthodoxe Kirche

 Kirche der Rechtgläubigkeit, Kirche der rechten Lobpreisung Gottes.

Orthodoxe Kirche von Griechenland

Der zunächst kleine, von den Türken unabhängige, auch von Albanern und Slawen bewohnte Staat entstand 1833; im gleichen Jahr erklärte sich die Orthodoxe Kirche dort als autokephal. Erst 1850 anerkannte Konstantinopel diese Autokephalie.
Die später gewonnenen Territorien gehören teilweise noch heute (z. B. Kreta und Patmos) zu Konstantinopel. 
Viele Professoren der Theologischen Fakultäten in Thessaloniki und Athen haben auf deutschen theologischen Fakultäten studiert. 

Liturgie: Sprache Griechisch des Neuen Testamentes (Koine) 
Kalender: gregorianisch 
Ostertermin: alter Stil 
Zahlen: Gläubige ca. 8 Millionen 
Bischöfe: 100 
Sitz des Oberhaupts: Athen 

Ostern

Das christliche Osterfest

Ostern ist das älteste und wichtigste Fest des Christentums. Ostern feiert die Christenheit die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Mit dem Osterfest beginnt die Zeit der Osterfreude, die 50 Tage andauert und mit dem Pfingstfest ihren Abschluss findet. Der österliche Festkreis beginnt mit dem Aschermittwoch, dem eine 40tägige Fastenzeit folgt (siehe auch Fastnacht). Diese soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus in der Wüste gefastet hat. 

Da die Sonntage vom Fasten ausgenommen sind, liegt der Aschermittwoch tatsächlich 46 Tage vor Karsamstag. 

Die letzte Woche vor Ostern heisst Karwoche. Sie beginnt mit dem Palmsonntag, an dem die Christen den Einzug Jesu nach Jerusalem feiern. Am Gründonnerstag (das “Grün” kommt nicht von der Farbe, sondern von dem altdeutschen Wort greinen, was so viel wie weinen heisst) feiert das Christentum das letzte Mahl Jesu mit den Jüngern und die Einsetzung der Eucharistie / des Abendmahls. Am nächsten Tag, dem Karfreitag, wird des Todes Jesu am Kreuz gedacht, am Karsamstag ist Grabesruhe, und am dritten Tage (Ostersonntag) ist Jesus – nach der Bibel – auferstanden. 

Osterdatum
Ostern gehört zu den beweglichen Festen, deren Datum jedes Jahr anders ist. Alle beweglichen christlichen Feiertage werden vom Ostersonntag aus berechnet. 

Auf dem ersten Konzil von Nicäa im Jahr 325 wurde das Osterdatum festgelegt auf den Sonntag nach dem Vollmond nach Frühlingsanfang auf der nördlichen Halbkugel (festgelegt auf den 21. März), und zwar nicht am gleichen Datum wie das jüdische Pessach. Der erste mögliche Termin für den Ostersonntag ist daher der 22. März, das letzte mögliche Datum der 25. April. 

Eine bekannte Formel zur Berechnung des Osterdatums im Gregorianischen Kalender wurde von Carl Friedrich Gauss beschrieben. Leider beschreibt diese die komplizierte Mondbewegung nur unzureichend. Zudem kann der Frühlingsbeginn astronomisch sowohl auf den 19. März, den 20. als auch 21. März fallen. Dies hat zur Folge, dass es zu sogenannten Osterparadoxien kommt. Das bedeutet, dass Ostern dann nicht gemäss der astronomischen Tatsachen begangen wird, sondern nach den “liturgischen” Mondzyklen (Gauss fasste das “geltende Recht” lediglich in eine mathematische Berechnungsmöglichkeit; er kann daher nicht für diese “Verfälschung” verantwortlich gemacht werden). Das nächste Jahr mit dieser Anomalie ist 2019. 

In der orthodoxen Kirche wird am julianischer Kalender festgehalten. Daher findet der 21. März (im 20. und 21. Jahrhundert) 13 Tage später statt als im gregorianischen Kalender. (Übrigens war das Zusammenlegen des “liturgischen” mit dem “astronomischen” Frühlingsbeginn einer der Hauptgründe für die Einführung des gregorianischen Kalenders). Daher findet das orthodoxe Osterfest manchmal einen Mondzyklus später statt. Ausserdem berechnet die orthodoxe Kirche das Osterdatum nach einem bereits in Nicäa festgelegten Algorithmus. Die Länge eines Mondzyklus wurde damals um einige Sekunden zu lang angenommen, was sich im Laufe von 17 Jahrhunderten zu einigen Tagen addiert hat. Dies ist ein weiterer Effekt, der dazu führen kann, dass das orthodoxe Osterfest eine Woche später stattfindet als das lateinische. 

Ostertermine
Der westliche Ostersonntag fällt in den nächsten Jahren auf folgende Termine: 

2016: 1. Mai
2017: 16. April  
2018: 8. April                                                                                                                       2019: 28. April 

 

 
Sakramente

Die orthodoxen Kirchen kennen sieben Sakramente: 

Taufe, Salbung (die unmittelbar auf die Taufe folgt, aber 
im übrigen der westlichen Firmung oder Konfirmation entspricht), Eucharistie (wird das erste mal ebenfalls schon unmittelbar nach der Taufe emfangen), Busse, Weihe, Ehe und Krankensalbung. 

Die Siebenzahl wurde erst um die Reformationszeit von der katholischen Kirche übernommen und ist nicht dogmatisch festgelegt; eine klare Abgrenzung zwischen Sakramenten und Sakramentalien (wie z.B. Begräbnis und Wasserweihe) gibt es im Gegensatz zur katholischen Kirche nicht. 

Im Gegensatz zu den meisten Religionen der Welt hat die orthodoxe Kirche kein allgemeines Ritual, welches den Übergang vom Kind zum Erwachsenen feiert; es gibt aber viele lokale Traditionen dieser Art, in Teilen Griechenlands und Serbiens etwa das Tauchen und Heraufholen eines Kreuzes aus einem eiskalten Fluss durch Jugendliche am Tag der Taufe Christi, dem 6. Januar. 

 

Taufe – untertauchen und emportauchen

Wohl die meisten von uns haben schon einmal eine orthodoxe Taufe erlebt und schon auf den ersten Blick einen entscheidenden Unterschied wahrgenommen: Die orthodoxe Kirche tauft grundsätzlich durch Untertauchen. Diesen Ritus hat sie aus der frühen Christenheit bis in unsere Zeit bewahrt. Der Taufe geht eine Absage an das Böse und ein Bekenntnis des Glaubens voraus.

Die Salbung mit Katechumenen-Öl soll den Täufling stärken, damit er in der Tiefe des Taufwassers den Kampf mit den Mächten der Finsternis gewinnen kann. Über das Untertauchen schreibt der Kirchenvater Gregor von Nyssa: “Wir sind nicht wirklich begraben worden durch die Taufe; aber indem wir uns dem Wasser nähern, welches wie die Erde ein Element ist, verbergen wir uns darin, wie der Erlöser sich in der Erde verborgen hat”. Und weiter führt Cyrill von Jerusalem aus: “Wie derjenige, der mit Nacht umgeben ist, nichts mehr sieht, wie hingegen einer, der vom Tageslicht umflossen ist, im Licht wandelt, so sahet auch ihr beim Untertauchen wie zur Nachtzeit nichts, beim Emportauchen aber hinwieder befandet ihr euch wie am Tage.”

Gleich im Anschluss an die eigentliche Taufe wird der Täufling noch einmal gesalbt, diesmal mit Myron-Öl. Die orthodoxe Kirche sieht in dieser Salbung so etwas wie die Handauflegung, durch welche die Apostel den Getauften in Samaria den Heiligen Geist mitteilten. Wer getauft und gesalbt ist, ist ein vollwertiges Glied seiner Kirche und damit auch zum Abendmahl zugelassen. Wegen der Strenge der Fastenvorschriften für Erwachsene sind es vielerorts gerade die kleinen Kinder, die zum Abendmahl gebracht werden, um den Segen für alle ins Haus zu holen.

Erkennt die orthodoxe Kirche die in einer westlichen Kirche gespendete Taufe an? Im Prinzip ja, selbstverständlich: Die orthodoxe Kirche erkennt die Taufe eines jeden Gliedes in einer christlichen Gemeinschaft als gültig und heilbringend an, wenn sie richtig im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes von einer Person, die an die Dreifaltigkeit glaubt, gespendet wurde. 
In der Kirchengeschichte jedoch zeigt sich, dass immer wieder dann, wenn von westlichen Kirchen aggressive Mission unter orthodoxen Christen betrieben wurde, die Gültigkeit der westlichen Taufe in Frage gestellt wurde, und zwar mit der Begründung: Jedes Sakrament sei ja ein Sakrament der Kirche, und da es außerhalb der Orthodoxie keine wahre Kirche gebe, bewirke der Vollzug der Taufhandlung allein noch nicht das Zustandekommen einer heilbringenden Taufe. Zum Glück wird diese Ansicht heute nur von kleinen, theologisch ungebildeten, aber manchmal ebenfalls recht aggressiven Randgruppen vertreten. Das Patriarchat von Konstantinopel dagegen gehört zu den großen Förderern der ökumenischen Bewegung in Treue zur Predigt des Kirchenvaters Johannes Chrysostomos: “Nicht der Mensch bewirkt, was sich (in der Taufhandlung) vollzieht, sondern die Gnade des Heiligen Geistes.”

 

Lange Zeit unterschiedliche Formen und Bräuche, aber derselbe Glaube

Wie nah oder fern ist uns westlichen Christen eigentlich die orthodoxe Kirche? Im Glauben ist sie uns zweifellos ganz nah, beten wir doch genau das gleiche Glaubensbekenntnis wie sie. Die ersten grossen Konzilien des 4. und 5. Jahrhunderts, in denen das christliche Bekenntnis in seinen Grundzügen formuliert wurde, werden von uns wie von ihnen anerkannt: Wir bekennen, dass Gott Vater die Welt erschaffen hat, dass Jesus Christus Gott und Mensch zugleich war, der uns durch sein Kreuz und seine Auferstehung erlöst hat, wir bekennen, dass Gottes Geist uns leitet und uns zusammenführt in der einen Kirche, die gegründet ist auf die Taufe, wir bekennen unseren Glauben an die Auferstehung der Toten. 

In den ersten christlichen Jahrhunderten wurde um dieses Glaubensbekenntnis auf mehreren ökumenischen (d.h. “weltweiten”) Konzilien intensiv gerungen. Kirchen spalteten sich ab: sei es, dass sie Jesus nur “wesensähnlich”, aber nicht “wesensgleich” mit Gott Vater bekannten (und folgerichtig Maria nicht “Gottesgebärerin” nannten, sondern nur “Mutter Jesu”), sei es, dass sie in Jesus ausschließlich eine göttliche, nicht aber auch eine menschliche Natur bekannten oder nur einen göttlichen, nicht auch einen menschlichen Willen. Diese Kirchen existieren bis auf den heutigen Tag, wir westlichen Christen nennen sie die “altorientalischen Kirchen” – die koptische Kirche, mit der wir auf der Nahostkonferenz in Kairo ein wenig Kontakt hatten, zählt zu ihnen.

Zwischen dem Patriarchat von Konstantinopel, der Mutterkirche der Orthodoxie, und dem Patriarchat von Rom, der Mutterkirche des Westens, gab es keine solchen Glaubensunterschiede. Beide hielten gemeinsam fest an dem einen Bekenntnis, dem “Nicaeno-Constantinopolitanum”, das in unseren Gottesdiensten zwar nur selten gesprochen wird, aber doch in unserem Gesangbuch selbstverständlich zu finden ist – nachzulesen unter der Gesangbuch-Nr. 805. 

Dass sich dann in den gottesdienstlichen Feiern die Gebräuche und Texte selbständig und unterschiedlich entwickelten, darf nicht verwundern, wenn man sich nur vorstellt, wie weit Rom und Konstantinopel, Antiochien, Alexandrien und Jerusalem, die weiteren Patriarchate der Ostkirche, auseinander lagen. Natürlich tauschte man Gebetstexte aus, wenn es sich so ergab, Kirchenväterpredigten, Entscheidungen örtlicher Synoden und dergleichen. Doch die Wege durch das Mittelmeer waren weit und gefährlich, kein Patriarch verließ monatelang seine Herde, man hielt Kontakt nur durch Boten oder durch Briefe. Den intensivsten Kontakt jedoch hielt man durch die Fürbitten: In jedem Patriarchat gab es Listen, mit welchen anderen Patriarchen man geschwisterliche Gebetsgemeinschaft pflegte. Aus einer solchen Liste gestrichen zu werden bedeutete nichts weniger, als von nun an als irrgläubig zu gelten, in sie wieder aufgenommen zu werden, dass man wieder zur Gemeinschaft der Rechtgläubigen hinzugezählt wurde. 

Die Kirchengemeinschaft an der Gleichförmigkeit der Liturgie festzumachen, wäre niemandem in den Sinn gekommen. Zwar bildeten sich überall ähnliche Grundformen, nämlich: ein Eingangsritus mit Psalm und Gebet, dann Schriftlesungen aus dem Alten und Neuen Testament und dann die Mahlfeier mit dem Einsetzungsbericht nach den Worten der Heiligen Schrift und dem Vater Unser und einem Schlussritus mit Gebet und Segen. Doch wurden diese Grundformen immer reicher ausgestaltet, dann wieder neu gefasst, reformiert, dem religiösen Empfinden und Sprachgebrauch der jeweiligen Zeit, der unterschiedlichen Länder angepasst. Liturgie war etwas Lebendiges, wenn auch Ehrwürdiges, und nicht allen möglichen Moden unterworfen. So wie es auch heute noch ist oder zumindest sein sollte…

Theophanie

Theophanie (gr.: theos = “Gott”; phainesthai = “sich zeigen”) bedeutet wörtlich übersetzt “Erscheinung Gottes”. 

Es meint die Manifestierung eines Gottes in der Menschen-welt. Der Terminus wird vor allem im Sprachgebrauch der christlichen Theologien verwendet; er sollte nicht mit Hierophanie verwechselt werden.

 

Weihe und Amt

Das Sakrament der Weihe ist in drei Stufen aufgeteilt. 

Die erste Stufe ist das Diakonat, die zweite das Priestertum und die dritte die des Bischofs. 

Nur die Bischöfe, die immer zugleich auch Mönche sind, sind zum Zölibat verpflichtet. Allerdings sind auch die Bischöfe oft nicht ursprünglich aus dem unverheirateten Klerus, denn es werden häufig verwitwete Priester zum Bischof geweiht. 

Priester und Diakone dürfen verheiratet sein, allerdings nicht nach der Priesterweihe heiraten. Wenn sie verwitwen oder sich von ihrer Frau trennen, müssen sie unverheiratet bleiben. 

Die Ämter sind in eine Hierarchie eingebunden: an der Spitze steht der Patriarch, Erzbischof oder Metropolit als primus inter pares unter den Bischöfen, dann kommen Bischof (griech. episkopos, eigentl. Aufseher oder Vorarbeiter), Priester (griech. presbyteros, eigentl. Ältester), und Diakon (griech. diakonos, eigentl. Helfer oder Kellner). 

Subdiakon, Vorleser, Sänger und Türhüter sind weitere Ämter ohne sakramentale Weihe und ohne Altardienst, die ihren Ursprung in der frühchristlichen Liturgie haben, heute aber z.T. andere Funktionen haben als die Namen nahelegen. 

Ebenfalls in die Gruppe der Ämter ohne Weihe gehören die Diakonissen, die hauptsächlich für die Taufvorbereitung von Frauen zuständig waren, deren Amt aber mit der Abnahme der Erwachsenentaufen immer unbedeutender wurde, so dass es nach dem Ende des byzantinischen Reiches schließlich komplett verschwand.

Die Diakonissen leisteten niemals Altardienst und waren somit keine “weiblichen Diakone”. 

Im Gegensatz zu westlichen Kirchen sind in der orthodoxen Kirche traditionell die meisten Theologen, in deren Hand auch ein großer Teil der Lehre liegt, Laien und nicht Priester, und umgekehrt die Mehrzahl der Priester keine Theologen. 

Sozialdienste gelten ebenfalls als Aufgabe vor allem der Laien, nicht der kirchlichen Hierarchie, deren Aufgabe vor allem die Durchführung von Gottesdiensten ist. Auch die Mönche sind nur selten Priester, die meisten sind Laien. Orden im westlichen Sinne gibt es in der Orthodoxie nicht, sondern jedes einzelne Kloster ist sozusagen ein eigener Orden. 

Allerdings gibt es oft eine informelle Zusammenarbeit zwischen Klostern mit ähnlicher geistlicher Orientierung und gemeinsamer Gründungstradition. 

Es gibt keine Frauenordination und keinen Altardienst für Frauen. Die Ehefrau des Priesters hat eine Sonderstellung in der Gemeinde und einen speziellen Titel, arabisch Khouria und griechisch Presbytera (Älteste), oder russisch Matuschka (Mama). Vom Altardienst abgesehen, können Frauen prinzipiell sämtliche Funktionen in der Gemeinde ausüben, zum Beispiel Kirchenrat, Chor leiten, Lektorendienst, Unterricht erteilen (auch für Erwachsene), Ikonen malen – je nach lokaler Kultur ist die Beteiligung der Frauen am Gemeindeleben jedoch unterschiedlich. 

 

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